Le batteur sans batterie

Sep 07, 2025Stefan Rienth
Le batteur sans batterie

 

Es gab in Manhattan einen Mann,

der die ganze Stadt für ein Schlagzeug hielt. Zeitungsständer, Mülltonnen, Verkaufsautomaten, Bordsteine — alles wartete nur darauf, dass jemand es zum Klingen brachte. Gene Palma brachte es zum Klingen. Fünf Tage die Woche, jahrzehntelang, mit zwei Stöcken und einem Haar, das nach Schuhcreme roch.




 

Tagsüber, in den frühen Siebzigern

trug er Statistiken durch die Werbeagenturen der Stadt. Ein Bote. Wer mit ihm im Fahrstuhl stand, erlebte einen Mann, der kein Wort sagte, niemandem in die Augen sah und vollkommen ahnungslos schien, welche Wirkung er hatte. Was keiner wusste: In seinem Kopf lief ununterbrochen ein Solo. Krupa, Buddy Rich, Chick Webb — er kannte die Riffs alle auswendig. Vier Jahre später saß ein ehemaliger Kollege im Kino, sah Taxi Driver — und da stand der schweigsame Bote aus dem Aufzug, mitten in Scorseses Film, und trommelte.




 

Seine Frisur klebte wie frischer Straßenteer;

hätte man das Öl herausgepresst, es hätte eine Turbine geschmiert. Er machte sie mit Schuhcreme, weil Rudolph Valentino es angeblich so gehalten hatte. Das wurde ihm zum Verhängnis. Als Bote streifte er einmal einen Kunden im weißen Regenmantel; die Schuhcreme ruinierte den Stoff, und Palma verlor die Stelle. Der Fahrstuhl verlor seinen stillen Virtuosen. Die Straße bekam ihn dafür ganz.

 

Alles hatte mit einem Film begonnen.

1937, er war dreizehn, sah er Hollywood Hotel und darin Gene Krupa am Schlagzeug. Er sprang aus dem Sitz. Das wollte er sein. Ein Schlagzeuger. Später gewann er einen Krupa-Trommelwettbewerb in einem Lichtspielhaus an der 86. Straße. Der Preis: eine Snaredrum für hundert Dollar — und vier Stunden im Haus seines Idols. Eine Trommel, eine Mission, ein Vorbild. Es reichte für ein ganzes Leben.

 

Für seinen Auftritt in Taxi Driver bekam er 172,50 Dollar.

Danach erkannten ihn Passanten und warfen ihm Münzen zu. In den Neunzigern verschwand er von der Straße. Er starb 2005, einundachtzig Jahre alt, in einem Pflegeheim, weit weg von der Stadt, die er einmal Takt für Takt regiert hatte.





Man kann im größten Musiktheater der Welt vor Tausenden spielen und trotzdem spurlos verschwinden. Palma hat beides geschafft: spurlos zu verschwinden — und für immer zu bleiben. Vierundzwanzig Bilder pro Sekunde, in einem Film, den die halbe Welt gesehen hat.



Obscura

Fundstuecke, Versuche, Irrtuemer und das Allerletzte.

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